Kältemittel für Wärmepumpen: Welches ist die beste Wahl für nachhaltiges Heizen?

Die richtige Entscheidung: Warum das Kältemittel über Effizienz und Umweltverträglichkeit entscheidet

Die Entscheidung für das passende Kältemittel ist eine der wichtigsten Faktoren bei der Anschaffung und dem Betrieb einer Wärmepumpe. Kältemittel beeinflussen nicht nur die Effizienz, sondern auch die Umweltverträglichkeit und gesetzlichen Anforderungen der Wärmepumpe. In Zeiten steigender Energiepreise und verschärfter Umweltauflagen ist es wichtiger denn je, sich mit den verschiedenen Kältemittel-Optionen auseinanderzusetzen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die Funktion, Auswahl und gesetzlichen Regelungen von Kältemitteln für Wärmepumpen.

Inhalt:


Das Wichtigste in Kürze

  • Klimafreundlich heizen: Je niedriger der GWP-Wert, desto besser für Umwelt und Geldbeutel.
  • Natürlich voraus: Natürliche Kältemittel wie Propan überzeugen durch Effizienz und Zukunftssicherheit.
  • Gesetzlich abgesichert: Die Wahl nachhaltiger Kältemittel entspricht der EU-F-Gase-Verordnung und vermeidet Umrüstungskosten.
Viessmann Wärmepumpen Vitocal Produktfamilie mit Kältemittel R290

Wärmepumpen & Klimaschutz: Wie umweltfreundlich sind sie wirklich?

Gas- und Ölheizungen gehören in Deutschland noch immer zu den beliebtesten Heizungsarten. Doch mit Blick auf die Zukunft und unter Berücksichtigung der steigenden Energiepreise sowie des Klimaschutzgesetzes sieht es für fossile Brennstoffe nicht wirklich rosig aus. Um die Klimaziele zu erreichen, ist es entscheidend, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) erheblich zu verringern. Die CO2-Bilanz von Gas und Öl liegt mit einem Ausstoß von 250 bis 320 g/kWh deutlich über den angestrebten Werten für nachhaltige Heizsysteme. Wärmepumpen werden mit Strom betrieben und liegen mit einem Wert von ca. 100 g/kWh deutlich darunter. Je mehr "grüner Strom" in den allgemeinen Strommix einfließt, desto klimafreundlicher wird jede Wärmepumpe.

Die Sonne als Gamechanger: Wärmepumpen mit Solarkraft kombinieren

Moderne Wärmepumpen lassen sich hervorragend mit erneuerbaren Energien kombinieren. Besonders effizient ist die Ergänzung durch eine Solaranlage oder Photovoltaikanlage. Diese ermöglichen es, Warmwasserbereitung und Heizleistung durch Sonnenenergie zu unterstützen und so die Betriebskosten und den CO2-Fußabdruck weiter zu reduzieren.

Kältemittel in Bewegung: So funktioniert der Wärmepumpenkreislauf

Kältemittel sind spezielle Fluide, die in Wärmepumpen zur Wärmeaufnahme und -abgabe eingesetzt werden. Sie durchlaufen einen geschlossenen Kreislauf und wechseln dabei zwischen flüssigem und gasförmigem Zustand. Durch diesen Phasenwechsel transportieren sie Wärme von einer Quelle (z. B. Luft, Wasser oder Erdreich) zu einem Heizsystem im Gebäude.

Der Wärmepumpenprozess umfasst:

  • Verdampfung: Das Kältemittel nimmt Wärme aus der Umgebung auf und verdampft.
  • Verdichtung: Der Kompressor erhöht den Druck des Kältemittels, wodurch sich die Temperatur steigert.
  • Kondensation: Die aufgeheizte Gasphase gibt ihre Wärme an das Heizsystem ab und verflüssigt sich wieder.
  • Entspannung: Das Kältemittel kehrt in seinen Ausgangszustand zurück und beginnt den Kreislauf erneut.

Sie interessieren sich intensiver für die Funktionen der Wärmepumpe? In unserem Ratgeber "Wärmepumpe: Funktion einfach erklärt" finden Sie antworten.

Split vs. Monoblock: Wo zirkuliert das Kältemittel?

Bei der Wahl einer Wärmepumpe spielt nicht nur das Kältemittel eine Rolle, sondern auch die Art des Kältemittelkreislaufs, der je nach Bauart der Wärmepumpe unterschiedlich ist.

  • Split-Wärmepumpen: Hier ist der Kältekreis auf zwei Einheiten aufgeteilt – eine Außeneinheit, die die Wärme aus der Umgebung aufnimmt, und eine Inneneinheit, die diese Wärme an das Heizsystem weitergibt. Dabei verläuft der Kältemittelkreislauf zwischen beiden Einheiten, was eine fachgerechte Installation durch einen zertifizierten Kälteanlagenbauer erfordert. Diese Bauweise ermöglicht eine größere Flexibilität bei der Aufstellung, setzt jedoch eine regelmäßige Wartung des Kältekreises voraus.
  • Monoblock-Wärmepumpen: Bei diesen Geräten befindet sich der komplette Kältemittelkreislauf in einer einzigen Einheit, die meist außerhalb des Gebäudes installiert wird. Der Vorteil liegt darin, dass keine Kältemittelverrohrung im Gebäude erforderlich ist, was die Installation vereinfacht und das Risiko von Kältemittelverlusten reduziert. Zudem sind Monoblock-Wärmepumpen oft wartungsärmer als Split-Modelle.

Welches Kältemittel ist das Beste? Vor- und Nachteile im Vergleich

Kältemittel GWP-Wert Vorteile Nachteile
R410A 2088 Hohe Energieeffizienz, nicht entflammbar, ideal für Heizen und Warmwasserbereitung Sehr hoher GWP-Wert, Einschränkungen ab 2025, steigende Preise
R32 675 Niedrigerer GWP-Wert als R410A, hohe Energieeffizienz, geringe Füllmengen erforderlich Schwer entflammbar, nicht mit R410A-Geräten kompatibel
R290 (Propan) 3 Sehr umweltfreundlich, hohe Effizienz, hohe Vorlauftemperaturen (bis 75 °C), zukunftssicher Leicht entflammbar, strenge Sicherheitsvorschriften
CO2 (R744) 1 Klimafreundlich, sehr niedriger GWP-Wert, hohe Betriebssicherheit Hohe Betriebsdrücke erforderlich, aufwendige Technik
R1234yf 4 Niedriger GWP-Wert, zukunftssicher Höhere Kosten, begrenzte Verfügbarkeit

Das drohende Verbot: Warum R32 bald keine Option mehr ist

Die EU plant ein schrittweises Verbot von Kältemitteln mit einem Global Warming Potential (GWP) über 150 bis zum Jahr 2030. Das bedeutet, dass Kältemittel wie R32 mit einem GWP von 675 mittelfristig nicht mehr erlaubt sein werden.

Der Hauptgrund für dieses Verbot ist die hohe Umweltbelastung durch synthetische Kältemittel. Obwohl R32 im Vergleich zu älteren Kältemitteln wie R410A eine bessere Umweltbilanz aufweist, reicht das nicht aus, um die ehrgeizigen Klimaziele der EU zu erreichen. In Zukunft sollen vor allem natürliche Kältemittel wie R290 (Propan) oder CO2 (R744) gefördert werden, da diese eine deutlich geringere Auswirkung auf den Treibhauseffekt haben.

Gesetzliche Vorgaben: Das müssen Sie wissen

Wenn Sie über den Kauf einer Wärmepumpe nachdenken, sollten Sie unbedingt die gesetzlichen Vorgaben zu Kältemitteln im Blick haben. Die F-Gase-Verordnung (EU 517/2014) zielt darauf ab, die Umweltauswirkungen von Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial drastisch zu reduzieren. Was bedeutet das für Sie?

  • Reduktion des Einsatzes von Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) bis 2030: Die schrittweise Verringerung der Verfügbarkeit von FKW-Kältemitteln durch Kontingentierung soll den Markt auf umweltfreundlichere Alternativen umstellen.
  • Verbot bestimmter Kältemittel mit hohem GWP-Wert: Insbesondere Kältemittel mit einem Global Warming Potential (GWP) über 150 werden aus dem Verkehr gezogen, wodurch synthetische Kältemittel wie R410A schrittweise ersetzt werden müssen.
  • Förderung von Alternativen wie R290 (Propan) und CO2 (R744): Die Verordnung schafft Anreize zur Nutzung natürlicher Kältemittel, die klimafreundlicher und langfristig verfügbar sind.

Was bedeutet das für Sie als Verbraucher?

Wenn Sie eine Wärmepumpe kaufen, sollten Sie darauf achten, dass das verwendete Kältemittel langfristig zugelassen und zukunftssicher ist. Besonders R290 (Propan) gilt als Top-Empfehlung, da es einen extrem niedrigen GWP-Wert hat und nicht von zukünftigen Verboten betroffen ist. Gleichzeitig sollten Sie bedenken, dass ältere Wärmepumpen mit R410A oder R32 in den kommenden Jahren teurer in der Wartung werden könnten, da die Verfügbarkeit dieser Kältemittel abnimmt.

Unser Tipp: Setzen Sie jetzt auf umweltfreundliche Kältemittel wie R290, um langfristig Kosten zu sparen und Ihre Wärmepumpe zukunftssicher zu machen!

Wärmepumpen mit Kältemittel R290

Marko Guertler Experte Waermepumpe Hybridheizung Festbrennstoffkessel

Ihr Ansprechpartner: Marko Gürtler

Eine Wärmepumpe ist eine hervorragende Wahl für umweltfreundliches Heizen. Besonders empfehlenswert sind Modelle, die mit dem natürlichen Kältemittel R290 betrieben werden. Wichtig ist, dass die Wärmepumpe richtig dimensioniert ist und zum Gebäudetyp passt. Sie haben offene Fragen oder wünschen eine kostenlose Beratung mit individuellem Angebot für Ihr Bauprojekt? Kontaktieren Sie uns und Ihnen wird geholfen.


Autor: Timo Paulsen | aktualisiert am: 12.03.2025